zwei Äpfel am Baum

Ein Fest für die Sinne

Hungrig?

Bevor du anfängst zu lesen, muss ich wohl eine kleine Warnung aussprechen: Im folgenden Text geht es unter anderem ums Essen, das heißt solltest du gerade hungrig sein, könnte sich das durch das Lesen dieses Blogartikels möglicherweise verschlimmern! 😉

Ich denke zur Zeit oft erst ans Essen, wenn mein Magen anfängt zu knurren. Meist gibt es dann nur irgendetwas Schnelles wie Nudeln mit Pesto oder Kartoffeln mit Spinat und Spiegelei. Das esse ich zwar an für sich beides sehr gerne, aber trotzdem würde ich mir auch gerne mal wieder so richtig viel Zeit fürs Kochen und Essen nehmen. Seit ich wieder studiere, kommt das für meinen Geschmack einfach zu selten vor, vor allem in den Phasen kurz vor Abgabe eines Projekts oder einer Hausarbeit. Eigentlich blöd. Mal sehen wie das in den nächsten 3,5 Monaten so läuft, in denen ich noch an meiner Masterarbeit schreibe…

Der Kochprozess

Heute habe ich immerhin mal wieder ein Curry gekocht, das esse ich auch sehr gerne und es geht relativ schnell, sofern man die Zutaten im Haus hat. So richtig toll finde ich es aber, wenn man sich den ganzen Tag oder sogar mehrere Tage zur Vorbereitung für ein Essen nimmt, zum Beispiel weil Besuch ansteht oder man sich einfach mal etwas Ausgefalleneres gönnen möchte. Die Vorbereitungen beginnen dann schon mit dem Einkaufen, am liebsten auf dem Markt. Auch wenn ich eigentlich ein Einkaufsmuffel bin und mein Mann das glücklicherweise oft übernimmt, gefällt mir die Stimmung auf Märkten richtig gut. Allein schon das bunte Treiben und die ganzen Gerüche und Geräusche mitzubekommen, macht richtig Spaß. Außerdem kann man mit den Verkäufern quatschen, erfährt, wo die Lebensmittel herkommen und erhält oft sogar noch gute Tipps.

Danach kann das Kochen beginnen. Das hat etwas Kreatives, finde ich, selbst wenn man sich an einem Rezept orientiert. Schließlich schafft man etwas Neues, wenn aus den rohen Zutaten ein leckeres Gericht entsteht. Ich liebe es, beim Gemüse schnippeln die vielen verschiedenen Farben zu sehen und hier und da auch schon etwas zu naschen. Je besser die Zutaten, umso besser schmeckt mir üblicherweise hinterher auch das Gericht. 🙂

Wenn dann alles im Topf oder in der Pfanne vor sich hin köchelt oder brutzelt und der Duft sich in der ganzen Küche verströmt, stellt sich bei mir automatisch ein gewisses Glücksgefühl ein. Wirklich großen Hunger habe ich dann allerdings oft schon nicht mehr vor lauter Naschen und Abschmecken. Das ist aber kein Problem. So kann ich mir mehr Zeit dabei lassen, das Essen schön anzurichten (das Auge isst schließlich mit) und jeden Bissen in Ruhe und mit allen Sinnen zu genießen. Das ist wirklich was anderes, als nur schnell etwas gegen den Hunger in mich reinzuschaufeln. Gerade weil so viele Leute in meinem Umfeld mit Unverträglichkeiten zu kämpfen haben und ich selbst häufig Bauchschmerzen bekomme, finde ich es wichtig, darauf zu achten, was wir eigentlich so zu uns nehmen.

Großartiges Geschenk

Auf diese bewusste Art zu kochen und zu essen erfüllt mich meist mit einer tiefen Dankbarkeit dafür, was die Schöpfung alles für uns Menschen bereithält. Wir dürfen so eine reichhaltige Vielfalt an Farben, Gerüchen und Geschmäcken genießen, dass ich gar nicht anders kann, als darin auch einen Teil des Sinns unseres Lebens zu vermuten: Wir sind bestimmt auch deshalb hier auf der Erde, um wertzuschätzen, was für tolle Lebensmittel uns zur Verfügung stehen, uns an ihnen zu erfreuen und das Essen immer mal wieder, z.B. zusammen mit Gästen, ausgiebig zu zelebrieren. Ich könnte mir vorstellen, dass das Landwirten besonders gut gelingt. Sie wissen, wie viel Arbeit beispielsweise in einer Kartoffel steckt und gleichzeitig ist ihnen klar, dass das alles trotzdem ein großes Geschenk ist, da sie die Natur, den Regen und die Sonne nicht beeinflussen können.

Dankbarkeit und Verantwortung

Für ein solches Geschenk gebührt sich eine große Dankbarkeit und der Wunsch, diese Vielfalt auch für unsere nachfolgenden Generationen zu bewahren. Ja, ich glaube wir dürfen und sollen den Reichtum genießen, den unser Planet für uns bereithält – aber nicht im Unverstand. Nicht so, dass wir die einzigen sind, die das genießen können, weil nach uns alle Ressourcen ausgeschöpft sind. Aus der Dankbarkeit dafür, was uns alles zur Verfügung steht, sollte sich ein Verantwortungsbewusstsein für die Schöpfung entwickeln und wir sollten sie bewahren, pflegen, fördern und kultivieren wollen.

Trotzdem muss ich zugeben, dass mir das gar nicht so leicht fällt. Mir ist bewusst, dass das bisschen „Plastikverbrauch reduzieren, wenig Fleisch konsumieren, öffentliche Verkehrsmittel und die eigenen Beine nutzen“, das ich so betreibe, noch lange nicht ausreicht. Und nachdem wir letztes Jahr bewusst nur mit dem Auto im Urlaub waren, planen wir dieses Jahr doch wieder zwei Flugreisen, womit mein ökologischer Fußabdruck ordentlich in die Höhe schnellt… Wenn man es mal gewohnt ist, so über seinen Verhältnissen (nicht im finanziellen Sinne, sondern auf Kosten unseres Planeten) zu leben, wie wir es in den Industrienationen üblicherweise schon von Kindheit an tun, fällt es schwer, Abstriche im Komfort zu machen. Ich bin also bestimmt nicht die richtige, um hier den Moralapostel zu spielen, möchte aber versuchen, mein Verhalten zu bessern. Hilfreich wäre es, wenn auch die Wirtschaft nicht den Fokus auf „höher, schneller, besser, weiter“ legen würde, sondern mit ihren Innovationen dazu beitragen könnte, dass es leichter für uns wird, umweltbewusst zu leben. Und vielleicht hast du auch ein paar Tipps für mich oder Meinungen und Erfahrungen zu diesem Thema, die du gerne mit mir teilen würdest? Darüber würde ich mich wie immer freuen. 🙂

zwei Äpfel am Baum

Einstellungssache

Ganz unabhängig von den Folgen für die Umwelt tut es mir selbst aber auch einfach gut, kochen und essen nicht nur als bloße Notwendigkeit zu betrachten, sondern mich daran zu erfreuen und mir des Privilegs bewusst zu werden, das ich hier genieße. Wenn wir nicht die Augen davor verschließen, welche Arbeit und wie viele Sonnenstunden in das Obst und Gemüse geflossen sind, das wir essen, dass (und möglicherweise auch unter welchen Umständen) das Tier gestorben ist, dessen Fleisch wir verzehren, welchen Transportweg viele unserer Lebensmittel genommen haben, bevor sie in unseren Läden landen etc., dann müssen wir die Mahlzeit doch automatisch genießen und aus ganzem Herzen dankbar dafür sein. Und vielleicht werden wir uns dann auch mehr für Aspekte der Tierhaltung interessieren oder zumindest den Apfel mit der fauligen Stelle nicht einfach wegwerfen. 🙂

So, nach all den Gedanken zu herzhaften Speisen fehlt jetzt eigentlich nur noch ein Nachtisch… Gebacken habe ich auch schon lange nicht mehr, obwohl ich das immer so herrlich beruhigend finde und Kuchen über alles liebe. Vielleicht gibt es demnächst ja mal einen Beitrag dazu, welche Bedeutung Kuchen für den Sinn des Lebens hat 😉

Liebe Grüße
Deine Katrin

P.S. Falls du jetzt Lust bekommen hast, etwas zu kochen oder zu backen, kann ich dir die Blogs von zwei meiner Kommilitoninnen wärmstens empfehlen. Sarah beschäftigt sich auf lifeisfullofsweets.de mit den süßen Glücksmomenten des Lebens. Die Fotos ihrer Schoko-Hefeschnecken mit Baileys-Sahne lassen mir wirklich das Wasser im Mund zusammenlaufen, aber auch ihre Gedanken über Glück im Alltag lese ich sehr gerne. Und Soyoung entführt uns in asoulfromseoul.de in die Geheimnisse der koreanischen Küche. Viel Spaß beim Lesen und nachkochen/-backen! 🙂

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