Spaziergang in den Weinbergen

Ein Spaziergang für die Seele

Nichts wie raus

Gehst du auch so gerne spazieren wie ich? Ich muss zugeben, ich bin ein richtiger Frischluftfanatiker und liebe Spaziergänge, Wanderungen, Radtouren und Jogging-Runden. Sowohl in meinem Job als auch im Studium sitze ich die meiste Zeit des Tages vor dem Computer, bewege mich minimal und atme gerade jetzt im Winter nur die trockene Heizungsluft ein. Irgendwann werde ich davon entweder ganz hibbelig oder schlapp und müde und dann weiß ich, jetzt wird es höchste Zeit, vor die Tür zu gehen. 🙂

Bunte Weinberge

Am schönsten ist so ein Spaziergang natürlich, wenn die Sonne scheint und mit ihren warmen Strahlen das Gesicht kitzelt. Auch die Farben kommen dann erst richtig gut zur Geltung. Ich habe das Gefühl, dass diesen Herbst die Blätter besonders lange an den Bäumen geblieben sind. Es ist immer noch so schön bunt, dass sich meine Augen kaum an den vielen verschiedenen, leuchtenden Farbtönen sattsehen können!

Mit allen Sinnen genießen

Das Schöne am Herbst und Winter ist auch, dass die Luft so klar ist. Da tut das Durchatmen richtig gut. Gerade wenn die Erde noch feucht ist vom Tau oder vom letzten Regen, genieße ich den herben Duft des Waldbodens. Außerdem raschelt es so schön, wenn man durch das tiefe Laub stapft oder wenn die Vögel in den Blättern nach Nahrung suchen. Immer wieder sieht man ein Eichhörnchen oder eine kleine Maus über den Waldboden huschen und mit etwas Glück entdeckt man auch ein paar Rehe. Nach dem vielen Sitzen endlich wieder die Beine zu bewegen, motiviert mich und ich fühle mich lebendig, wenn ich beim Berg hochgehen etwas außer Atem gerate. So ein Spaziergang ist wirklich was für alle Sinne! 🙂

Spaziergang im herbstlichen Wald

Abschalten

Die positive Wirkung eines Spaziergangs ist sogar medizinisch erwiesen: Dadurch, dass mehr Sauerstoff in unser Gehirn und unsere Muskeln gelangt, bekommen wir neue Energie. Außerdem steigt der Serotoningehalt im Blut, wodurch die Hormone, die zu Stress, Angst oder Traurigkeit führen, besser abgebaut werden können. Sonnenlicht stimuliert die Bildung von Vitamin D3, welches zur Abwehr von Krankheitserregern beiträgt und der Luftkeim Myobacterium vaccae steigert unsere Hirnleistung und regt die Nervenzellen an. In der Natur prasseln zudem weniger Reize auf uns ein, was uns dabei hilft, den Kopf frei zu bekommen.*

Deshalb gehe ich gerade dann gerne spazieren, wenn ich vor einem kniffligen Problem stehe, bei dem ich einfach nicht weiterkomme, wenn ich meine Kreativität anregen will, wenn mich irgendwelche Sorgen plagen oder wenn ich meine Gedanken sortieren und zur Ruhe kommen möchte. Das geht aber nur, wenn ich das Handy zuhause oder zumindest in der Tasche lasse. Viel lieber bewaffne ich mich stattdessen mit meiner Kamera, mit der ich meist noch aufmerksamer auf meine Umgebung achte und versuche, deren Schönheit einzufangen.

Aussicht auf Stuttgart

Novemberblues

Natürlich hilft so ein Spaziergang auch bei grauem Wetter. Vor allem Nebel kann eine tolle Stimmung schaffen und im Regen mit Gummistiefeln in die Pfützen hüpfen ist definitiv ein Spaßgarant! 🙂 Außerdem neige ich gerade bei trostlosem Wetter zum „Novemberblues“. Der macht es mir dann zwar noch schwerer, mich aufzuraffen und vor die Tür zu gehen, aber wenn ich es schaffe, bereue ich es nicht. Die Bewegung hebt schnell meine Stimmung, die kalte Luft macht mich wach und der Wind bläst meine trüben Gedanken fort. Dadurch fühle ich mich lebendig, freue mich an meinem weichen Schal und der warmen Jacke und denke schon daran, dass ich mir gleich einen heißen Tee und viel Licht machen werde, wenn ich wieder nach Hause komme. Und auch der graueste Tag geht irgendwann vorbei, wenn man ihm nicht zu viel Bedeutung zumisst, sondern sich auf die schönen Dinge fokussiert. Solche Tage trainieren unsere Geduld und lassen uns nur umso dankbarer werden für die Sonnentage. 🙂

Weinberg im Nebel

Detailplanung par excellence

Auch wenn ich mich in den Naturwissenschaften leider nicht so gut auskenne, bin ich immer wieder aufs Neue überwältigt davon, wie perfekt in der Natur alles aufeinander abgestimmt ist und bis ins Detail zusammenwirkt. Selbst das kleinste Elementarteilchen erfüllt einen ganz bestimmten Zweck und ohne seine Existenz könnte das Gesamtbild gar nicht erst entstehen. Das gibt mir immer wieder die Zuversicht, dass auch mein Leben einen Sinn hat. Auch wenn ich jetzt noch nicht erkennen kann, wie meine Anwesenheit die Welt verändert, entsteht im Zusammenspiel mit den anderen Menschen um mich herum hoffentlich etwas Schönes.

Freude schöpfen

Wie toll, dass wir Menschen die besondere Fähigkeit haben, uns an der Natur zu erfreuen. Dass wir einen Sinn für Schönheit haben und als Reaktion darauf, die Vielfalt der Natur zu betrachten, mit positiven Gefühlen belohnt werden, finde ich echt genial. Das ist für mich auch ein Grund für meinen Glauben an Gott. Meiner Meinung nach schließen sich die Naturwissenschaften und der Glaube nicht aus, sondern ergänzen sich. Je mehr Biologie, Chemie, Medizin oder Physik den komplizierten Zusammenhängen auf unserer Erde und im Weltall auf die Spur kommen, umso logischer erscheint mir der Gedanke, dass dies von jemandem geplant wurde, der über allem steht. Wir Menschen sind immer noch lange nicht damit fertig, „unseren“ Planeten im Detail erforscht, beschrieben und verstanden zu haben und tun uns noch viel schwerer damit, die Natur mit unseren Maschinen, Systemen oder der Kunst und Architektur nachzuahmen. Das zeigt, wie gewaltig und großartig das alles um uns herum ist und macht mich dankbar und ehrfürchtig.

Grabkapelle im Herbst

Jetzt aber wirklich nichts wie raus!

Und darum höre ich jetzt auch auf zu schreiben und lade dich ein, direkt rauszugehen, egal wie das Wetter auch sein mag. Erfreue dich an den Farben, schmecke die Luft oder versuche, die Regentropfen mit deiner Zunge einzufangen, spüre die Rinde eines großen, alten Baumes unter deinen Händen, suche den Specht, dessen Klopfen du hörst, und genieße vor allem einfach mal nur den Moment. Denke nicht an gestern oder morgen, sondern komme ganz an im Hier und Jetzt. Freue dich über die Natur und die Bewegung deines Körpers, das tut gut und gibt dir neue Kraft! Und dann erzähle mir gerne, was du bei deinem Spaziergang erlebt hast. Ich bin gespannt auf deinen Kommentar!

Liebe Grüße
Deine Katrin

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