Neckarschleife

Meinen Platz im Leben finden

Fragen über Fragen

In der Frage nach dem Sinn unseres Lebens steckt für mich immer auch die Frage, wo mein Platz im Leben ist. Wer bin ich eigentlich, was sind meine Stärken und Schwächen, was brauche ich und wie kann ich mich selbst wertschätzen? Wie kann ich mich einbringen in unsere Gesellschaft und in meine persönlichen Beziehungen und welchen Auftrag hat Gott mir konkret gegeben? Wie kann ich etwas schaffen, das Wert und Bestand hat und gleichzeitig auch mich selbst zufrieden macht? Wie kann ich glücklich werden in meinem Leben und was muss ich tun, damit ich am Ende meiner Tage auf ein erfülltes Leben zurückblicken kann? Oder eben: Wo ist der Platz im Leben, an dem ich mich wohlfühle, ganz ich selbst sein kann und etwas Sinnvolles bewirken kann?
 
Dazu habe ich letztes Jahr ein richtig gutes Buch mit dem Titel „Meinen Platz im Leben finden“ gelesen, das ich auch in meinem ersten Blogbeitrag kurz erwähnt hatte. An einigen der Erkenntnisse, die ich daraus gezogen habe, möchte ich dich gerne teilhaben lassen.
Buch von Cornelia Mack

Alles dreht sich um Beziehungen

Cornelia Mack sieht die Voraussetzung dafür, den eigenen Platz im Leben zu finden, in drei Beziehungen. Oder genauer gesagt darin, dass diese Beziehungen sich im Gleichgewicht befinden. Bei diesen Beziehungen handelt es sich um die Beziehung zu mir selbst, die Beziehung zu Gott und die Beziehung zu meinen Mitmenschen.

Eine gesunde Beziehung zu uns selbst zu haben, ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, gesunde Beziehungen mit anderen Menschen zu führen. Für die gesunde Beziehung zu uns selbst ist wiederum die Beziehung zu Gott wichtig, weil wir uns von ihm geliebt, gewollt und gehalten fühlen, aber gleichzeitig auch erkennen dürfen, dass wir selbst nicht das Größte und Wichtigste sind und daher nicht ständig um uns selbst kreisen müssen. Außerdem hilft uns eine gute Gottesbeziehung dabei, unsere Mitmenschen durch Gottes Augen zu sehen und diese annehmen zu können. In der Beziehung zu unseren Nächsten lernen wir uns selbst besser kennen, können Ermutigung und Liebe erfahren und Freude und Kummer teilen.

Die Beziehungen zwischen mir, Gott und meinem Nächsten

Nichts ist so beständig wie der Wandel

Je stärker die Eckpunkte dieses Beziehungsdreiecks sind, also je besser unsere Beziehungen zu uns selbst, zu Gott und zu unseren Nächsten sind, umso stabiler ist auch unser Gleichgewicht und umso leichter tun wir uns damit, unseren Platz im Leben zu erkennen. Das Ganze ist aber keine einmalige Angelegenheit, das heißt es reicht nicht, einmal unseren Platz im Leben zu finden und dann befindet sich dieser immer an derselben Stelle. Gott bleibt zwar der Gleiche, aber immer wieder ändert sich das „Du“ (also unsere Mitmenschen), das „Ich“ (also wir selbst) und damit auch unsere Beziehungen zu Gott, unseren Nächsten und uns selbst. Solche Veränderungen kommen beispielsweise daher, dass wir selbst, unsere Eltern oder unsere Kinder älter werden und damit andere Denkweisen und Bedürfnisse bekommen. Es kann sich auch etwas an unserer beruflichen Situation ändern, Freunde können wegziehen oder ein geliebter Mensch sterben. Wenn sich unsere Umstände und die Menschen, mit denen wir häufig zu tun haben, ändern, können auch wir selbst meist nicht die gleiche Person bleiben, sondern müssen unsere Rolle in der neuen Situation erst finden.

Meine Beziehung zum Ich

Nur wie machen wir das, gesunde Beziehungen zu uns, unseren Nächsten und Gott zu führen? Die Beziehung zu uns selbst mag uns vielleicht noch am einfachsten davon erscheinen. Aber wer kennt sich schon durch und durch selbst? Mir geht es zum Beispiel immer wieder so, dass mich meine eigenen Gedanken und Reaktionen überraschen, dass ich mir unsicher bin, was wirklich gut für mich ist, was ich gut kann und wofür ich Hilfe benötige. Und selbst wenn ich in den Spiegel schaue, kann es vorkommen, dass ich einen Moment lang irritiert bin, weil ich irgendwie dachte, ich müsste eigentlich anders aussehen. In jedem Menschen gibt es viele Gegenpole, zwischen denen wir uns immer wieder einpendeln müssen. Es gibt nicht den Mutigen, der niemals Angst hat, den Aktiven, der nicht auch ein paar passive Züge in seiner Persönlichkeit vorfindet oder den Extrovertierten, der nicht auch in manchen Situationen mal von Schüchternheit gepackt wird. Hinzu kommt, dass sich selbst zu kennen ja erst der Anfang ist und noch lange nicht heißt, dass ich mit diesem Selbst auch zufrieden bin. Cornelia Mack schreibt auf Seite 19, dass sich ein sicheres Selbst auf die folgenden Punkte gründet:
  • eine gute Einstellung zum eigenen Körper
  • eine versöhnte Haltung zu meiner Herkunft
  • Sicherheit im Blick auf die eigene Persönlichkeit
  • das Wissen um Gaben und Fähigkeiten und sich daraus ergebender Aufgaben
  • einen gelassenen Umgang mit Besitz
  • haltgebende Werte
  • eine gute Gottesbeziehung
  • ein souveräner Umgang mit Beziehungen

Bestimmt hast du bei dem einen oder anderen der Punkte gedacht „stimmt, das fehlt mir noch“, oder „hm, hier bin ich mir tatsächlich nicht ganz sicher“ – so ging es mir zumindest. Cornelia Mack hat dazu einige hilfreiche Tipps in ihrem Buch. Trotz allem werden wir uns aber nie durch und durch selbst kennenlernen, das tut nur Gott. Wenn ich mich mit meinen Fragen an ihn wende, anstatt nur alleine darüber zu grübeln und mir sein Urteil über mich wichtiger ist als das anderer Menschen, werde ich erfahren, dass er mich genauso liebt, wie ich bin. Auch dann, wenn ich mir gerade selbst nicht im Klaren darüber bin, nicht zufrieden mit mir bin oder an meiner Persönlichkeit verzweifle, weil ich scheitern musste oder schuldig wurde.

Meine Beziehung zu Gott

Es mag im ersten Augenblick befremdlich klingen, wenn Cornelia Mack schreibt, dass wir unseren Platz im Leben am besten finden, wenn unser erstes Ziel nicht Selbstverwirklichung und eigene Ehre sind, sondern Gottesverwirklichung und Gottes Ehre. Aber tatsächlich habe ich das auch schon erlebt. Leider kann ich nicht von mir behaupten, dass ich mich immer nur nach diesem Ziel ausrichten und entsprechend verhalten würde. Aber ich durfte schon feststellen, dass ich in den Zeiten, in denen es mir gelingt, deutlich zufriedener bin als sonst. Der Blick auf Gott hilft mir dabei, mich vom ungesunden Kreisen um die ungelösten Fragen meiner Persönlichkeit zu lösen und meine Rolle in seinem Gegenüber zu finden. Dadurch richtet sich mein Blick mehr auf meine Mitmenschen, ich nehme deren Bedürfnisse und Nöte wieder wahr und kann mich auf sie einlassen. Cornelia Mack schreibt, Gott lieben bedeute…
  • mein Herz für die Beziehung zu ihm zu öffnen
  • Ja zu seiner Liebe zu mir zu sagen
  • mich zu freuen, dass er mich durch und durch kennt
  • zu wissen, dass ich immer zu ihm kommen kann
  • sein heilendes Wirken an mir zuzulassen
  • Gottes Absicht für mein Leben zu erkennen und sie auch ausführen zu wollen
  • mich nach Zeiten des Gebets zu sehnen
  • Gott als sichere Burg und Schutz meiner Seele zu erfahren
  • dankbar für seine Vergebung zu sein
  • mich auf die Ewigkeit, in der ich immer bei ihm sein kann, zu freuen.

Auch das sehe ich aber nicht als einmaligen Entschluss, sondern als Übungssache und täglich neue Entscheidung an. Ja, es braucht sicherlich diesen „Initialzünder-Moment“, in dem man zum ersten Mal beschließt, Gott sein Vertrauen zu schenken. Aber für mich war es damit nicht getan, ich muss diese Entscheidung nach wie vor immer wieder neu treffen, darf aber auch immer wieder neu lernen, dass sie sich lohnt. 🙂

Meine Beziehung zum Du

Schon mit unserer Geburt werden wir Menschen in Beziehungen gestellt. Cornelia Mack sagt, Beziehungen zu unseren Mitmenschen seien Gottes Geschenk an uns. Trotzdem können wir auch an Beziehungen leiden, durch sie verletzt werden oder es als sehr schwierig empfinden, mit anderen Menschen umzugehen. In Macks Buch werden verschiedene Beziehungsmuster und die Positionen, die wir zu unseren Nächsten einnehmen können, angesprochen. Außerdem thematisiert sie die verschiedenen Beziehungsebenen z.B. zu Eltern, Geschwistern, Freunden und Kollegen. Und sie geht darauf ein, dass wir das Lieben erst lernen müssen. Es kann einige Blockaden in uns selbst geben, die uns davon abhalten, unsere Mitmenschen lieben zu können, z.B. Lebensverletzungen und zu hohe Erwartungen an oder Idealvorstellungen von der Liebe. Diese zu überwinden ist nicht einfach. Gerade da ist es hilfreich zu wissen, dass wir die Liebe nicht aus eigener Kraft aus uns selbst heraus produzieren und dabei vollkommen erschöpft werden oder uns ausbeuten lassen müssen. Lieben bedeutet nach Mack „von dem, was Gott uns gegeben hat, etwas weiterzugeben“ (S. 225). Das heißt, dass wir uns an die Liebesquelle Gottes anschließen dürfen, aus der wir selbst Liebe bis zum Überfließen empfangen und die ausgegossene Liebe wieder zu unserem Nächsten fließen lassen können. Und auch diesen Satz aus dem Buch fand ich sehr passend: „Die Liebe Gottes macht unser Leben heil und ganz und macht uns auf diese Weise zu liebenden Menschen.“

Gottes Zusage

Unseren Platz im Leben immer wieder neu finden zu müssen, kann ganz schön anstrengend sein. Trotzdem sollten wir uns durch den ständigen Wandel nicht entmutigen lassen, sondern dürfen diese Lebensreise genießen. Schließlich begegnen uns unterwegs auch sehr viele schöne Plätze, an denen wir ausruhen und uns am Leben freuen können und Orte, an denen wir uns zuhause und geborgen fühlen dürfen. Außerdem finde ich Herrmann Hesses „und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“ auch oft zutreffend. Wenn wir uns auf die Veränderung einlassen, zu unbekannten Orten aufbrechen und es wagen, den vertrauten Platz gegen die Suche nach unserem neuen Platz im Leben einzutauschen, wird das bestimmt auch Früchte tragen. Sehr tröstlich finde ich, dass Gott uns die Zusage gegeben hat, uns dabei immer zu begleiten. Er führt uns auf rechter Straße, er leitet uns auch durch die finsteren Täler unseres Lebens hindurch, er beschützt und versorgt uns und wir dürfen für immer in seiner Nähe bleiben (vgl. Psalm 23). Das gibt mir die Ruhe, auf den ständigen Wandel nicht gehetzt, sondern zuversichtlich reagieren zu können. Und vielleicht liegt darin ja auch die Antwort, wo ich immer wieder meinen Platz im Leben und danach finden werde: Im Haus des Herrn, in seiner Nähe und Gegenwart.
Der Herr ist mein Hirte
Ich hoffe, auch du findest immer wieder deinen Platz im Leben.

Liebe Grüße
Deine Katrin

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