Storch

Vom Wunder der Geburt

Weihnachten

Gerade erst liegen die Weihnachtsfeiertage hinter uns, an denen wir die Geburt eines ganz besonderen Kindes gefeiert haben. Und doch erscheint mir jede Geburt als etwas Besonderes. So besonders, dass der oder die ein oder andere es sogar als Sinn ihres oder seines Lebens betrachten mag, Kinder zu bekommen (siehe z.B. www.zeit.de/arbeit/2017-10/hebammen oder www.saarbruecker-zeitung.de/saarland/fuer-viele-ist-es-der-sinn-des-lebens).

Deshalb habe ich mich kurz vor Weihnachten mit meiner Freundin Kathrin über das Thema Geburt und ihren Beruf als Hebamme unterhalten.

Gespräch mit der Hebamme Kathrin

Katrin: Hallo Kathrin. Ich freue mich, mich heute mit dir über Geburt im Allgemeinen, deinen Beruf und den Sinn des Lebens unterhalten zu dürfen. Wie du weißt, versuche ich auf meinem Blog dem Sinn des Lebens auf die Spur zu kommen. Daher gleich zu Beginn eine vielleicht nicht ganz einfache und eher persönliche Frage: Was bedeutet für dich der „Sinn des Lebens“ und wie würdest du deinen eigenen Lebenssinn beschreiben?

Kathrin: Für mich ist der „Sinn des Lebens“ die Antwort auf die Fragen: Warum gibt es mich? Wofür bin ich in dieser Welt? Worüber definiere ich mich? Wo gehöre ich hin? Was ist meine Aufgabe? Da habe ich für mich schon verschiedene Antworten gefunden, aber meine Identität finde ich vor allem darin, dass ich von Gott geliebt bin, er den großen Überblick hat und es gut mit mir meint. Und mit meinem Leben will ich ihm dafür „danke“ sagen und das nach Möglichkeit auch an andere weitergeben.

Katrin: Danke für diesen Einblick in deinen persönlichen Lebenssinn. Jetzt habe ich gelesen und auch schon gehört, dass einige Menschen es als Sinn ihres Lebens bezeichnen, Kinder zu bekommen und großzuziehen. Was hat denn für dich – quasi als „Spezialistin“ rund um das Thema Geburt – die Geburt mit dem Sinn des Lebens zu tun?

Kathrin: Ich denke, dadurch, dass Menschen Kinder bekommen, nehmen sie eine Möglichkeit wahr, ihren persönlichen Lebenssinn – vielleicht in viele kleine Details gegliedert – weiterzugeben und durch Prägung ihrer Kinder ein Stück weit zu erhalten. Wenn ich „Geburt“ und „Sinn des Lebens“ zusammenbringen will, fällt mir aber als erstes ein, dass Leben auf jeden Fall Sinn macht und eine Daseinsberechtigung hat. Und dabei spielt es keine Rolle, ob dieses Leben gesund oder krank ist, pflegeleicht oder anstrengend oder welches Geschlecht es hat. So ein neues Leben ist in meinen Augen gleichzeitig Ausdruck tiefster Liebe und auch die Bereitschaft dazu, Verantwortung zu übernehmen; mal ganz davon abgesehen, inwieweit sich „Familienplanung“ tatsächlich planen lässt…

Und dann kommt mir da natürlich noch der weiterführende Gedanke – so kurz vor Weihnachten – dass diese eine Geburt, die Geburt von Jesus vor über 2000 Jahren, einen großen Einfluss auf den Sinn unseres Lebens haben kann: Gott ist Mensch geworden, hat sich klein gemacht, auf unsere Ebene gestellt. Er hat auf seine Größe verzichtet, um uns erst in vollem Ausmaß zu zeigen, wie groß seine Liebe für uns ist! Er hat ein Leben als Mensch gelebt und war trotzdem gleichzeitig Gott, sodass ihn eine Sache von allen anderen Menschen unterscheidet: Sein Leben war völlig fehlerlos, rein, ohne Schuld und ganz im Einklang mit dem, wie Gott das Leben ursprünglich erschaffen hat. Und nur dadurch war es möglich, dass ER alles, was uns bisher von Gott trennt und eine Beziehung zu ihm verhindert, von uns weg auf sich selbst genommen hat, sämtliche Schulden beglichen hat und uns dadurch ermöglicht, zu Gott zu kommen und einfach nur seine geliebten Kinder sein zu können. Und das schließt dann wieder den Kreis zu meiner persönlichen Erkenntnis und Definition über den Sinn des Lebens.

Kathrin (Quelle: Kathrin)

Katrin: Wow, das hast du aber schön formuliert. Das klingt
schon so durchdacht, dass mir dazu nicht mal weitere Nachfragen einfallen.
Kommen wir also noch ein bisschen mehr auf deinen Beruf als Hebamme zu sprechen: Dabei erlebst du ja immer wieder, wie neues Leben das Licht der Welt erblickt. Ist das denn für dich überhaupt noch etwas Besonderes oder inzwischen eher schon zur Routine geworden?

Kathrin: Es ist immer wieder besonders, es ist immer ein Wunder! Oft genug bekomme ich immer noch Gänsehaut, wenn so ein neues Leben plötzlich vor mir liegt und „was zu sagen“ hat.

Katrin: Wie meinst du das mit dem was zu sagen haben“?

Kathrin: Also ich finde es unglaublich faszinierend, wie da einfach so ein komplett fertiges Geschöpf plötzlich vor einem liegt. Und da ist nicht nur körperlich alles dran und alles fertig, sondern da ist auch einfach ein Charakter da. Meistens schreien die Kinder ja erstmal, wenn sie geboren werden, was natürlich auch damit zu tun hat, dass zum ersten Mal Luft in die Lunge kommt und das glaube ich echt ekelhaft weh tut. Aber ich glaube schon auch, dass die Kinder was zu sagen haben. Viele Eltern werden bei diesem ersten Schreien nervös und denken, warum weint das Kind, aber weinen ist am Anfang eben die einzige Art, wie Kinder kommunizieren und sich äußern können. Und über das Weinen sagen sie dann vielleicht auch „Boah, das war jetzt aber echt anstrengend und irgendwie habe ich mich total allein gelassen gefühlt. Und hier ist es jetzt auch noch so hell und kalt, ich will wieder zurück!“ Oder manche äußern sich auch ganz anders, das klingt dann eher wie „Ah okay, die Mama kenne ich schon, da bin ich jetzt gut angekommen, ich glaube, mir geht es hier auch ganz gut“ – wie auch immer, aber ich glaube, da kann man echt auch unterschiedliche Charaktere erkennen und das finde ich total faszinierend.

Katrin: Das klingt wirklich spannend. Und hast du den Eindruck, dass auch viele Eltern das als etwas ganz Besonderes erleben oder dass sie diesen Moment, wenn das Kind dann da ist, als sowas wie einen sehr sinnstiftenden oder beinahe heiligen Moment wahrnehmen?

Kathrin: Es gibt schon Eltern, die total gerührt sind, auch gerade darüber, dass dieses komplett fertige Wesen dann plötzlich bei ihnen liegt. Vielleicht ist der Bezug zum Lebenssinn, den man als Hebamme am häufigsten mitbekommt, aber eher der, dass man stundenlang so hart gekämpft hat und echt auch arg gelitten hat auf ein Ziel hin. Und dann hat man dieses Ziel endlich erreicht und plötzlich ist alles, was man die letzten Stunden erlebt hat, schon lange nicht mehr so präsent wie noch kurz vorher.

Katrin: Und was gefällt dir besonders an deinem Beruf?

Kathrin: Ich empfinde es als großes Privileg und auch als sinnvolle und erfüllende Aufgabe, wie ich die werdenden Eltern unterstützen kann. Ganz besonders bei Geburten, aber auch bei der Beratung und Begleitung von Schwangeren mit ihren Familien oder den frischen Mamas, Papas, großen Brüdern und großen Schwestern darf ich in meiner Rolle als Hebamme ein Teil von etwas Großem, Aufregendem, Schwerwiegendem und gleichzeitig so Persönlichem bis Intimem sein. Ich darf die Paare und Familien motivieren, bestärken, ihnen Sorgen nehmen oder Sicherheit geben, sie manchmal einfach nur „verstehen“ und in anderen Situationen mit ihnen kämpfen und am Ende häufig mit-triumphieren und mit-staunen. Das ist echt ein großes Privileg.

Katrin: Das klingt wirklich sehr schön. Gibt es auch etwas, das dich an deinem Beruf stört?

Kathrin: Häufig habe ich das Gefühl, dass die Arbeit mit den Menschen und die Unterstützung der Menschen, die man betreut, dadurch gehemmt, blockiert oder abgelenkt wird, dass man sich zum Teil selbst wirtschaftliche Gedanken machen muss oder diese durch Institutionen aufgezwungen bekommt. Außerdem muss man sich immer mehr in alle Richtungen absichern, hat dadurch viel Bürokratie zu erledigen und das hält einen manchmal gefühlt vom Wesentlichen ab. [Sie überlegt kurz, dann:] Ich weiß nicht, ob damit schon alles gesagt ist, aber vielleicht ist es auch gut, es dabei zu belassen

Katrin: Okay. Und was würdest du dir für deinen Beruf oder dein Berufsbild wünschen?

Kathrin: Ich finde es echt schwer, darauf eine faire Antwort zu finden. Ich würde mir schon wünschen, dass es gesellschaftlich mehr Anerkennung für den Beruf gibt und dass man weniger kämpfen muss für gute Bedingungen oder für seine Rechte. Und auch, dass man nicht immer so skeptisch betrachtet wird sondern einem vertraut wird. Am ersten Tag unserer Ausbildung hat man uns gesagt „als Hebamme steht ihr immer mit einem Bein im Gefängnis“. Und ich habe das Gefühl, in der Gesellschaft sucht man immer mehr für alles einen Sündenbock und es wird immer mehr geklagt und sei es nur, überspitzt gesagt, weil das Kind in der Schule nicht so gut mitkommt und da doch dann bestimmt die Geburt schuld dran war. Und wenn es die Eltern nicht tun, dann klagen die Krankenkassen, weil sie für irgendwas nicht aufkommen wollen. Die gucken dann, ob vielleicht irgendwo ein Fehler passiert sein könnte unter der Geburt, sodass sie selber nicht zahlen müssen.

Das ist echt schwierig. Einerseits bekommt man zwar ganz viel Dank und Wertschätzung von den Eltern, die man betreut, aber in der sonstigen Gesellschaft gibt es gefühlt eher wenig Anerkennung. Aber andererseits haben Hebammen sich das vielleicht zum Teil auch selbst zuzuschreiben, weil eventuell Wissen nicht mehr gut weitergegeben wird oder für manche vielleicht auch das Wirtschaftliche so überhandnimmt, dass für anderes nicht mehr so viel Raum ist oder weil einzelne Hebammen vielleicht auch einfach so ihr Ding durchboxen. Aber so richtig weiß ich auch nicht, was wirklich das Problem ist. Also das finde ich tatsächlich die schwierigste Frage bisher. So ganz utopisch würde ich mir wünschen, dass Hebammen einfach medizinisch sicher in der Ausübung ihres Berufs sind und das auch sicher vermitteln können und sich dadurch auch eine gerechtfertigte Wertschätzung in der Gesellschaft erarbeiten.

Kirchengesang

Kathrin am Klavier

Katrin: So, jetzt nochmal eine persönlichere Frage, falls du sie beantworten möchtest: Du bist ja jetzt aktuell selbst schwanger und hast nicht mehr allzu viele Monate, bevor du deine erste Geburt erleben wirst. Hat sich dadurch irgendwas an deinem Blick auf den Hebammen-Beruf oder auf die werdenden Mütter geändert?

Kathrin: Da kann ich gerne was zu sagen. Also ich erlebe, dass es eine komplett andere Situation ist, ob man Informationen gibt als Hebamme, oder ob man es selbst an sich erlebt, was Schwangerschaft bedeutet. Und ich glaube, dass es von außen viele Erwartungen an mich gibt, dass ich das alles schon sehr  professionell von alleine aus mache, aber es ist einfach ein anderes Erleben, ob ich Hebamme bin oder ob ich werdende Mutter bin. Mein Fokus liegt jetzt darauf, dass ich werdende Mutter bin. Also das heißt, ich betreue zur Zeit keine Geburten mehr, sondern habe nur noch ein paar Frauen in der Nachsorge, denen ich glaube ich schon auch professionelle Beratung geben kann. Aber ansonsten ist für mich zur Zeit eher meine Schwangerschaft präsent und da weiß ich zwar manches – und das ist auch nicht immer unbedingt hilfreich – aber ansonsten bin ich auch einfach nur eine Schwangere, die sich wünscht, dass sie betreut wird, ohne dass man voraussetzt, ich wüsste schon alles von alleine.

Und ich glaube auch, dass es einen als Hebamme irgendwo gnädiger macht, selber Kinder zu bekommen. Bevor man eigene Kinder hat, vermittelt man bestimmt manche Dinge anders, als nachdem man selber Schwangerschaft und Geburt erlebt hat. Und durch das eigene Erleben kann man den Frauen vielleicht auch in der ein oder anderen Situation viel mehr Verständnis entgegenbringen.

Katrin: Dann noch die letzte Frage: Hast du einen Tipp für Leute, die sich gerade auf Sinnsuche befinden, wie sie den Sinn ihres Lebens finden oder bei der Suche vorgehen können?

Kathrin: Ich glaube, dass es wichtig ist, dass man das, was man hat im Leben, das, was man tut und das, was man sich für sein Leben wünscht, immer wieder vor sich ablegt und neu gewichtet, neue Prioritäten setzt und sich überlegt, was davon wirklich wichtig ist für sein Leben. Und ich glaube einfach, dass ganz viele Antworten auf diese Frage in der Bibel und über Jesus zu finden sind. Das ist für mich eigentlich die einzige Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens, weil ich persönlich das so erlebt habe.

Katrin: Danke für deinen Tipp und für das schöne Gespräch. Ich wünsche dir alles, alles Gute für deine weitere Schwangerschaft und die Geburt und dass sich deine Wünsche sowohl für dich und deine Familie als auch für deinen Beruf erfüllen!

Konfliktmodus

So besonders die Erlebnisse von Schwangerschaft und Geburt auch sind, können sie die werdenden Eltern dennoch auch manchmal in Verzweiflung stürzen und vielleicht gerade erst recht am Sinn ihres Lebens zweifeln lassen. In meinem Blogbeitrag, der letztes Jahr kurz vor Weihnachten erschien (Die Geschichte einer ganz besonderen Geburt), habe ich mir vorgestellt, welche inneren Konflikte Maria und Josef wohl damals kurz vor der Geburt von Jesus durchgemacht haben mögen. So wie sie damals beide von einem Engel besucht wurden und Mut zugesprochen bekamen, wünsche ich auch heutigen Paaren in schwierigen Situationen rund um die Schwangerschaft und Geburt einen Engel, der auf ihre Ängste, Sorgen und Nöte eingeht und ihnen einen tiefen Frieden mit sich und ihrer Situation ins Herz legt.

Ich finde es sehr wichtig, dass Eltern in Schwangerschaftskonflikten Hilfe finden und umfassend beraten und unterstützt werden. Insbesondere werdende Mütter sollten die Möglichkeit bekommen, ohne Panik zu überlegen, ob sie ihr Kind bekommen möchten und wenn ja, die Unterstützung für sich und ihr Kind erhalten, die sie eventuell brauchen, um wieder festen Boden unter die Füße zu bekommen.

Bibelsprüche Engel

Engel

Die Beraterinnen der Organisation Pro Femina tun aus meiner Sicht all dies. Bei ihrer Beratung geht es nicht primär um Information, sondern sie schicken z.B. innerhalb von 24 h nach dem Ausfüllen eines Abtreibungstests auf der Website https://www.profemina.org/ eine individuelle, im Detail ausformulierte Antwort an die jeweilige hilfesuchende Person und bleiben so lange mit ihr in persönlichem Austausch, bis die Person Ordnung in ihr Gedankenchaos bringen und eine fundierte Entscheidung treffen konnte. Die Erfahrungsberichte zeigen, dass sie damit eine riesige, wertvolle Hilfe für viele Frauen darstellen und eine Frau beschreibt sie darin auch als Engel.

Und du?

Wenn ich mir das alles durch den Kopf gehen lasse, erscheint es mir nicht so, als könne man ausreichend Sinn für sein ganzes Leben daraus ziehen, Kinder zu bekommen, auch wenn so eine Geburt natürlich ein ganz besonderes Ereignis ist und Kinder großzuziehen eine enorm wichtige und verantwortungsvolle Aufgabe, die sehr erfüllend sein kann. Trotzdem klingt das, was Kathrin gesagt hat, wie das festere Fundament für die eigene Identität: Sich von Gott gewollt und geliebt zu wissen, darauf zu vertrauen, dass Er über allem Chaos in der Welt steht und einen guten Plan mit mir hat und aus der Beziehung zu Ihm Kraft und Motivation für jeden Tag zu schöpfen.

Und wie geht es dir mit deiner Sinnsuche? Welche Erkenntnisse hattest du in den letzten Monaten, in denen ich keinen Blogbeitrag veröffentlicht habe? Schreib‘ es mir gerne in die Kommentare oder per Mail!

Auf jeden Fall wünsche ich dir ein gutes Vorankommen bei deiner Sinnsuche und falls du dich gerade in irgendeiner Art von Krisensituation befinden solltest, wünsche ich dir ganz besonders, dass Gott dir seine Engel an die Seite stellt!

Liebe Grüße
Deine Katrin

2 Kommentare zu „Vom Wunder der Geburt“

  1. Für Hebammen ist die aktuelle Situation mit Corona echt hart geworden. Kann mir gut vorstellen, daß bei einigen existenzielle Ängste aufkommen, und sich vermehrt Menschen die Sinnfrage stellen.

    1. Hallo Mina, danke für deinen Kommentar. Ja, es kann gut sein, dass durch Corona noch mehr Menschen den Sinn ihres Lebens suchen, gerade wenn sie erleben müssen, wie alles wegbricht, was sie bisher als festen Boden unter ihren Füßen betrachtet hatten. Bist du auch Hebamme?

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